Hier finden Sie Informationen zu folgenden Themen:
Reisekrankheiten:
        - Leishmaniose
        - Borreliose
        - Dirofilariose
        - Ehrlichiose
        - Babesiose


Tollwut
Toxoplasmose-Infektion (Katze)
Hüftdysplasie (Goldakupunktur)
Verletzungsgefahr - ein Berufsrisiko des Tierarztes
Eklampsie
 



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Leishmaniose
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Die Leishmaniose wird durch Leishmanien-Arten (das sind Einzeller) verursacht. Die Leishmanien werden durch weibliche Schmetterlings-, Sandmücken (Phlebotomus-Arten) übertragen, wobei meist ein Mückenstich zur Infektion ausreichend ist.  
Diese Mückenart kommt im Mittelmeerraum, den Tropen und den Subtropen vor.
Bei der Leishmaniose unterscheidet man drei Erscheinungsformen. Zum einen die Haut~, die Schleimhaut~ und die innere (viszerale) Leishmaniose.
Beim Tier wird vor allem der Hund, selten Katze befallen. Die weibliche Mücke saugt Blut und nimmt den Parasiten dabei mit auf, die Leishmanien vermehren sich in der Mücke innerhalb ca. 5-6 Tagen zu der eigentlich infektiösen Form und sammeln sich in der Nähe des Stechapparates an und werden beim nächsten Saugakt mit übertragen. Im Blut des Opfers befallen sie die weißen Blutkörperchen, in denen sie sich durch Zweiteilung stark vermehren.
Als erste klinischen Erscheinungen können nach 10 Tagen bis zu einem Jahr Fieber, Husten, Durchfall, Gewichtsabnahme, Leber- und Milzschwellung und Lymphknotenschwellung vorkommen. Die Leishmaniose beim Hund können durch eine gemischte Haut~ und eine innere Form gekennzeichnet sein. Bei der Hautleishmaniose zeigt sich als erstes ein leichtes und mehrfaches Einreißen der Ohrränder. Begleitet ist dieses Einreißen der Ohrränder häufig mit Schuppenbildung an Ohren, Kopf und schließlich am gesamten Körper. Abnormitäten der Haut sind das häufigste Erscheinungsbild der caninen Leishmaniose. Kleine schlecht verheilende Hautwunden, begleitet von Haarausfall, vor allem im Gesicht, am Rücken, Schwanz und auch an den Beinen bis schließlich der Körper kahl ist, treten dann am ganzen Körper auf. Es können sich auch Knötchen an Ellenbogen, Sprunggelenken und Knien bilden mit einer eventuellen Blutungsneigung. Die Haut wird schuppig und rissig. Die Krallen können brüchig werden, dies führt dann zur Lahmheit. Die innere Leishmaniose ist durch Schwäche, Durchfall, Erbrechen, Fieber, Muskelschwund, Lymphknotenvergrößerung gekennzeichnet. Auch können die Leber und Milz vergrößert sein, im Blut sinkt die Lebensdauer der Blutzellen und bedingen dadurch eine erhöhte Blutungsneigung und auch Blutarmut
Die Inkubationszeit für die Leishmaniose liegt zwischen wenigen Wochen und sieben Jahren (daher meist kein Zusammenhang mehr zum Auslandsaufenthalt sichtbar!!)

Die erste Verdachtsdiagnose ist durch den klinischen Befund und dem Auslandsaufenthalt gegeben. Des weiteren kann durch Laboruntersuchungen die Diagnose untermauert werden.
Die Therapie ist meist teuer und langwierig, ohne allerdings ist die Leishmaniose fast immer tödlich!

Schutz vor Sandmückenstichen

Prophylaktisch sollten man seinen Hund nicht in gefährdete Gebiete mitnehmen, und wenn nicht vermeidbar, sollte dieser sich abends und nachts in einem mückensicheren Raum befinden. Bei Ihren Strandspaziergängen selbst in der Nacht besteht grundsätzlich keine Gefahr, durch Sandmücken gestochen zu werden. Diese Mücken sind zwar nachtaktiv, aber sie sind extrem windempfindlich. Im Windschatten, schon beginnend mit der zweiten Häuserreihe ab Strand können Sie auf diese Sandmücken treffen. Als allgemeine Vorsorge wird empfohlen, Ihren Hund mit einem Spray, der den Wirkstoff "Diethyltoluamid" enthält, einzusprayen bzw. im Kopfbereich einzureiben. Bei diesem Produkt handelt es sich um "Autan für Hunde". Mit "Autan für Menschen" können Sie sich selbst schützen. Versorgen Sie jede erdenkliche Stelle Ihres Hundes mit dem Mittel. Sandmücken stechen Langhaarhunde nahezu ausschließlich in den haarlosen Nasenansatz, in die Augenlider und in die Ohren. Kurzhaarhunde sind stärker von Leishmaniose betroffen als Langhaarhunde. Sie werden zudem noch in die Innenseite der Beine, Genitalien und bei Weibchen in die fast haarlose Milchleiste gestochen. Haben Sie Ihr Feriendomizil weiter vom Strand entfernt, so reicht Ihre allabendliche Einsprayaktion nicht mehr aus. Da in strandfernen Regionen mit einem äußerst hohen Auftreten von Sandmücken zu rechnen ist, müssen Sie Ihren Hund durch einen dauerhaften Schutz in Form eines Hundehalsbandes schützen. Das erfolgreich getestete Hundehalsband wird von Hoechst vet. unter dem Namen "Scalibor" vertrieben. Es sollte 2 Wochen vor Urlaubsbeginn dem Hund umgelegt werden, damit sich die Inhaltsstoffe ganz über den Hund verteilen können. PS.: nach dem Urlaub können Sie das Halsband Ihrem Hund umlassen, es wirkt weiterhin gegen Zecken und Flöhe.  
Importierte Hunde aus gefährdeten Gebieten sollten auf Leishmaniose (und andere tropische Krankheiten) untersucht werden. Bei längeren Urlauben in genannten Regionen den Hund untersuchen lassen, da eine frühe Therapie noch sehr gute Heilungschancen bietet. Es gibt keine Schutzimpfungen. Bitte fragen Sie Ihre(n) Tierärztin/Tierarzt vor Urlaubsantritt nach einer geeigneten Prophylaxe.

Therapie

Eine erfolgreiche Leishmaniose-Therapie ist bei einem jungen Hund durch Chemotherapie möglich - je jünger der Hund, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Eine Chemotherapie ist sehr teuer. Sie kostet mehrere Tausend DM und dauert über 3 Monate mit täglich mehreren Spritzen und längerandauernden täglichen Infusionen. Vielversprechende Medikamente befinden sich in der Erprobungsphase.



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Borreliose
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Erreger der Borreliose ist Borrelia Burgdorferi, ein Bakterium. Dieses Bakterium wird durch infizierte Zecken übertragen. Diese Zecke ist der "gemeiner Holzbock" (Ixodes ricinus), eine Zecke, die auch in Deutschland vorkommt. Daneben noch in Mittel-, Ost- und Nordeuropa, aber auch in Nordamerika und Australien. Die Zecken halten sich in Bodennähe bis ca. 80 cm Höhe auf, und nicht (wie meist berichtet) auf Bäumen. In Deutschland tragen ca.30% dieser Zeckenart den Borreliose-Erreger in sich.  

Durch Ixodes ricinus kann aber auch FSME (Frühsommer- Meningoencephalitis) in Deutschland übertragen werden (nur in bestimmten Regionen und die Zecken sind nicht so hoch infiziert, wie bei Borreliose. Karten mit FSME gefährdeten Gebieten erhalten sie bei Ihrem Arzt oder Tierarzt).

Die Zecke hat einen typischen Lebensraum: Sie kommt vor allem in hohen Gräsern, lichten Wäldern und Büschen vor (sie sitzen dort auf Zweigen und Blättern). Zecken werden durch Vorbeistreifen an diesen Blättern/Zweigen auf die Kleidung/Haut/Fell befördert, sie fallen nicht vom Himmel (Bäumen). Die Übertragung von Borrelien ist durch infizierte Zecken vor allem im Frühjahr und Herbst möglich.
Hunde und Menschen können an Borreliose erkranken (aber auch andere Tierarten). Wenn die Zecke in den ersten 24 Stunden nach Biß entdeckt und entfernt wurde (d.h. sie war noch nicht vollgesogen, sondern noch relativ klein), ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Borreliose-Erregern relativ unwahrscheinlich. Es ist keine direkte Übertragung zwischen Hund und Hund, Mensch und Mensch, Hund und Mensch möglich.

Als klinisches Bild ist meist eine Rötung um die Bißstelle in den ersten 1-3 Wochen beim Menschen sichtbar, beim Hund sind diese nicht beschrieben worden (oder auch nicht gesehen worden wegen pigmentierter Haut). Borreliose verursacht vor allem eine Erkrankung der Gelenke, des Nervensystem und des Herzens, es können aber auch Haut, Muskeln, Bänder betroffen sein (Hund und Mensch).
In der ersten Phase der Erkrankung stehen meist nur Müdigkeit, Unwohlsein und ähnliche unspezifische Symptome im Vordergrund. Nervensymptome können nach ca. 2 Wochen bis 3 Monate auftreten, das Spätstadium kann Monate bis Jahre dauern (v.a. Mensch, hier meist Gelenkserkrankung).

Der Zeckenbefall wird meist nicht in Zusammenhang mit der späteren Erkrankung gebracht, da der Biß schon länger zurückliegt und dadurch vergessen wurde. Dies ist vor allem problematisch, wenn der Biß vom Mensch nicht bemerkt wird.
Beim Menschen zeigt sich die Erkrankung meist in der Frühphase durch die besagte Rötung um die Bißstelle (Bitte Arzt konsultieren), Fieber, Kopfschmerzen und Nachtschweiß. In der späteren Phase kann es zu Lymphschwellung, Gesichtslähmung, Arthritis und Herzmuskelentzündung kommen. In der Spätphase herrscht meist eine chronische Arthritis und eine Knochenentzündung vor.
Diese Symptome können aber auch durch andere Ursachen bedingt sein, also bitte vom Hausarzt/Tierarzt genauer untersuchen lassen.

Als Risikogruppe gelten Menschen, die viel im Freien sind (Jäger, Waldarbeiter, Spaziergänger, aber auch Kinder, die im Wald spielen).
Hunde, die gerne im Wald toben und dabei viel durch hohes Gras oder Büsche laufen, sind auch gefährdet.

Die erste Diagnose kann anhand der Symptome und dem Zeckenbiß gestellt werden (Biß kann auch länger zurückliegen), der Arzt/Tierarzt wird eine Blutprobe an ein Speziallabor schicken, die auf Borreliose untersuchen (Erreger und Antikörpernachweis).
Bei frühzeitiger Erkennung kann eine Antibiotikagabe die Erkrankung heilen, ohne das bleibende Schäden zurück bleiben. Bei schon längerer Erkrankung kann eine Behandlung nur noch einer weiteren Verschlechterung der Symptome vorbeugen, Heilung ist i.d.R. nicht mehr möglich. Nach Erkrankung wird keine Immunität für längere Zeit aufgebaut, d.h. Ihr Hund ist im nächsten Frühjahr/Herbst wieder für Borreliose empfänglich (Mensch ebenso)!

Deshalb sollten Sie der Prophylaxe besonderen Wert zuordnen:

Tragen Sie bei Spaziergängen in Waldgebieten geschlossene Kleidung, also lange  
Kleidungsstücke, ein Hut nützt nichts gegen Zeckenbefall!
Einpudern oder Ähnliches (Zedernöl) verhindern kaum den Zeckenbefall.  
Hund und sich selber genau untersuchen nach jedem Waldspaziergang, Zecken mit Zangen (vom Tierarzt oder aus der Apotheke) nach Anleitung entfernen, Sie brauchen die Zecke dabei in keine bestimmte Richtung herausdrehen (Zecken haben kein Gewinde).  
Bitte kein Öl benutzen, da die Zecken sich wegen Luftmangel in die Wunde "erbrechen"!  
Hund vor dem Frühjahr impfen lassen, hierzu fragen Sie am besten Ihre(n) Tierärztin/Tierarzt um Rat.

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Dirofilariose
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Dirofilariose ist die Herzwurmkrankheit des Hundes.
Der Erreger ist Dirofilaria immitis, übersetzt heißt er der grausame Herzwurm.
Dieser kommt vor allem im Mittelmeerraum, den Tropen und Subtropen vor. Er wird durch die weibliche Stechmücke übertragen. Diese übertragt infektiöse Larven auf den Hund, aus denen Makrofilarien (erwachsene Würmer) werden, die sich vor allem in den großen Lungenarterien ansammeln und bei sehr starkem Befall in das rechte Herz und in die großen Hohlvenen gelangen können. Die Makrofilarien sind zweigeschlechtlich. Die "erwachsenen" weiblichen Parasiten gebären die Mikrofilarien, die über einen erneuten Stechakt des jetzt infizierten Hundes auf die weibliche Mücke übertragen werden und sich wieder zur infektiösen Larve entwickeln können, um damit den Kreislauf von vorne beginnen zu lassen.

Das klinisches Bild ist durch die Hauptveränderungen durch die Makrofilarien geprägt: Durch den Befall kann es zu Lungen-, Lungengefäß-, und Rechtsherzveränderungen kommen. Für den Hundebesitzer ist meist Husten und Kurzatmigkeit erkennbar. Durch den starken Befall kann es aber auch zu Venenstau und Thrombosen führen, die dann lebensbedrohlich sein können.

Diagnostisch kann der Erreger direkt im Blutausstrich nachgewiesen werden, die Blutentnahme durch den Tierarzt sollte zwischen 18.00 und 6.00 Uhr erfolgen, da sich die Mikrofilarien zu dieser Zeit vor allem nah der Hautoberfläche befinden, um bei einem Mückenstich mit "eingesaugt" zu werden.
Aber die Mikrofilarien können auch durch andere Verfahren, bei denen die jungen Würmer angereichert werden, nachgewiesen werden (wird in größeren Kliniken selbst gemacht oder durch Einsenden der Probe durch den behandelnden Tierarzt an ein Diagnostisches Institut).

Die Therapie wird nach der Diagnose der Dirofilariose zweiwegig gestaltet. Zum einen werden die Mikrofilarien und zum anderen die Makrofilarien bekämpft.
Bei Vorliegen einer Dirofilariose wird Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin Sie über eine geeignete Behandlung und die Prognose informieren.

Doch lassen Sie es nicht zu einer Infektion kommen, denn besser ist immer die Prophylaxe. Lassen Sie Ihren Hund Zuhause, wenn Sie die oben genannten Regionen reisen wollen. Ihr Hund könnte sonst auch ein Souvenir vom Urlaub mit nach Hause bringen! Auch wenn Sie solche Regionen bereisen und einen armen Hund sehen, den Sie mit nach Deutschland nehmen wollen, müssen Sie daran denken, daß auch dieser Hund u.a. an Dirofilariose erkrankt sein kann. Wenn Sie Ihren "Liebling" unbedingt mitnehmen wollen, dann lassen Sie ihn nicht am Abend oder in der Nacht draußen. Sondern nehmen Sie ihn in ein vor Mücken geschütztes Zimmer mit. Bitte fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin vor Urlaubsantritt nach einer geeigneten Prophylaxe!



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Ehrlichiose
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Ehrlichiose wird beim Hund durch Ehrlichia canis (ein Bakterium) verursacht. Die Ehrlichien werden durch infizierte Zecken übertragen.
Diese kommen in den Tropen, Subtropen, im gesamten Mittelmeerraum und auch vereinzelt in Deutschland vor. Auch der Mensch ist für die Ehrlichiose empfänglich!!

Meist liegt bei der Infektion mit Ehrlichiose auch eine Infektion mit Babesien vor.
Ehrlichien vermehren sich in den weißen Blutkörperchen und behindern so die Immunabwehr des Körpers erheblich.
Die Erreger werden sofort durch den Biß übertragen, das sofortige Entfernen der Zecken nach Waldspaziergängen bietet somit keinen sicheren Schutz vor der Erkrankung (falls Zecke infiziert und somit Überträger war).
Das klinisches Bild zeigt in der akuten Phase, die 1-3 Wochen nach Infektion auftritt, (dauert meist 2-3 Wochen) Symptome wie Fieber bis eventuell 41°C, Mattigkeit, eitriger Nasen- und Augenausfluß, Krampfanfälle und Lähmungen der Hinterhand.
Die gibt aber auch Phasen, die 6-9 Wochen nach der Infektion beginnen und dann Monate bis Jahre dauern können. Hier herrschen meist Blutarmut, Gewichtsverlust und Blutungen vor. Diese sind für den Besitzer meist sichtbar durch blasse Schleimhäute und blutigem Kot. Milde Verlaufsformen kommen in dieser Phase selten vor.

Die Diagnose wird durch den behandelnden Tierarzt gestellt, der zur Diagnose eine Blutuntersuchungen vornehmen kann, aber meist eine Blutprobe an ein dafür eingerichtetes Labor schicken wird.

Die Behandlung wird beim Mensch und Tier nach der Diagnose der Ehrlichiose mit geeigneten Antibiotika durchgeführt. Ihr(e) Tierärzt/Tierarzt wird Sie beim Vorliegen der Ehrlichiose über die weitere Behandlung Ihres Tieres aufklären.

Bei der Prophylaxe gilt das Gleiche, wie bei allen durch Zecken übertragenen Krankheiten (siehe Borreliose).

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Ehrlichiose
Ein Bericht von Frau Elinor Switzer, Tierärztin, Tierärztliche Hochschule Hannover (Leitung: Prof. Nolte):

Ehrlichiose tritt vornehmlich in Südeuropa auf und wird ebenfalls durch Zecken übertragen. Es handelt sich hierbei um einen intrazellulären Parasiten, der zu einem multisystemischen Krankheitsbild in drei Phasen (akut, subklinisch, chronisch) führt. Neben grippeähnlichen Symptomen und Veränderungen im Blutbild kann es in der akuten Phase zu Entzündungen im Auge, Hirnhaut- oder Gelenksentzündungen kommen.  
Der Erreger E. canis kann serologisch nachgewiesen werden. Es gibt bisher weder für Tiere noch Menschen einen Impfstoff gegen diesen Erreger. Eine Infektion von Menschen mit E. canis ist jedoch bisher nicht beschrieben worden.  
Auch hier besteht die Therapie des erkrankten Hundes neben der Erregerbekämpfung in unterstützenden Maßnahmen.
Die größte Bedeutung spielt jedoch auch bei dieser Erkrankung die Vorbeugung. Daher sollten Hunde nach Möglichkeit nicht in betroffene Regionen wie zum Beispiel den Mittelmeerraum mitgenommen werden. Eine Zeckenbekämpfung sollte in jedem Fall gewissenhaft durchgeführt werden.

Literatur:
R. Gothe: Erlichia-canis-Infektionen der Hunde in Deutschland. Tierärztliche Praxis, Ausg. Kleintiere Heimtiere 1998; 26: 396-401



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Babesiose
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Die Babesiose wird beim Hund durch Babesia canis (ein Einzeller) verursacht. Diese Erkrankung wird durch Zecken übertragen.  
Babesiose kommt weltweit vor, vor allem in den Tropen und Subtropen, mittlerweile aber auch am Mittelmeer und auch in Deutschland und Luxemburg.
Zecken sitzen auf Blättern und Büschen und werden beim Vorbeistreifen auf Haut und Fell übertragen.
Babesien befallen vor allem die roten Blutkörperchen, die wichtig für den Sauerstofftransport im Körper sind und zerstören diese.  
Das klinisches Bild ist in der akuten Phase durch die Auflösung der roten Blutkörperchen gekennzeichnet. Dies äußert sich in Schwäche, blasse und später gelbliche Schleimhäute, roter bis grüner Harn. Auch Milz- und Leberschwellung sind möglich, meist besteht Fieber bis über 40°C. Bei jungen Hunden kann es zu plötzlichen Todesfällen kommen.
Aber auch chronische Verlaufsformen kommen vor. Hier können wechselndes Fieber, Verlust von Körpergewicht, Bauchwassersucht, Atemprobleme, ZNS-Störungen und Kreislaufstörungen auftreten.

Die Diagnose wird anhand des Erregernachweises durch den behandelnden Tierarzt oder durch dafür eingerichtete Labore gestellt.

Auch hier ist die Prophylaxe wichtig (siehe Borreliose).
Eine Impfung ist nicht möglich, da der Impfstoff in Deutschland nicht erlaubt ist.

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Babesiose
Ein Bericht von Frau Elinor Switzer, Tierärztin, Tierärztliche Hochschule Hannover (Leitung: Prof. Nolte):

Diese malaria-ähnliche Infektion tritt vor allem in südeuropäischen Ländern auf und wird durch Parasiten in den roten Blutkörperchen verursacht, die durch Zecken übertragen werden. Nach Infektionen mit Babesien kommt es beim Hund in akuten Fällen zu schwerer Blutarmut, hohem Fieber, Durchfall und Blut im Urin. Es kann jedoch auch zu einem chronischen Verlauf mit weniger ausgeprägten Symptomen kommen. Durch Untersuchung von Kapillarblutausstrichen kann der Erreger oft nachgewiesen werden. In Zweifelsfällen sollte zusätzlich eine serologische Untersuchung durchgeführt werden.  
Die Übertragung auf den Menschen ist selten und erfolgt durch Zeckenbiss. Eine Übertragung durch Körperausscheidungen und Speichel kann ausgeschlossen werden.
Die Therapie erkrankter Hunde erfolgt sowohl als Bekämpfung des Erregers als auch als unterstützende Behandlung der Symptome. Große Bedeutung sollte jedoch der Vorbeugung beigemessen werden, die vor allem aus der Bekämpfung der übertragenden Zecken besteht. Außerdem sollte man vermeiden, Hunde im Urlaub in betroffene Gebiete mitzunehmen, da auf diese Weise Babesiose nach Deutschland eingeschleppt werden kann. In Frankreich, in der Schweiz und in Deutschland (u.a. in der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover) ist ein Impfstoff erhältlich, der jedoch nicht immer eine Infektion verhindern kann.

Literatur:
Lucius/Loos-Frank: Parasitologie, Spektrum Akademischer Verlag 1997
Psychrembel Klinisches Wörterbuch, 259. Auflage
R. Gothe, S. Wegerdt: Die Babesiosen des Hundes in Deutschland: epidemiologische Fallanalysen. Tierärztliche Praxis 1991; 19:170-173



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Tollwut (Rabies)
Ein Bericht von Margrit Boelhauve, Recklinghausen,  
Cairn Terrier Zwinger Opportune Mate´s (VDH/KfT)

Die Tollwut gehört zu den am längsten bekannten Infektionskrankheiten. Diese wird schon 2.300 v. Chr. erstmals erwähnt. 1804 wurde erstmals die Infektiosität des Speichels nachgewiesen, erst ab 1885 konnte Pasteur eine Schutzimpfung entwickeln.

Von der Tollwut können alle Säugetiere befallen werden, aber auch Fledermäuse.
Es sterben auch Menschen (auch ein Säugetier) an Tollwut, dies ist in den letzten Jahrzehnten in den Industrieländern deutlich zurück gegangen, aber vor allem in ärmeren Ländern sterben auch heute noch Menschen an der Tollwut. Früher war der Überträger vor allem der Hund, heute wird fast nur durch infizierte Füchse (Rotfüchse) und andere wildlebende Tiere in Deutschland das Virus übertragen. Tierkadaver können bis zu 90 Tagen das Virus beherbergen. In der freien Umwelt ist es aber meist nach wenigen Tagen zerstört.
Tollwut ist eine weltweit vorkommende Zoonose (Erkrankung bei Mensch und Tier möglich).

Die Übertragung erfolgt durch infizierte Tiere (Menschen) mittels Biß mit hoch infiziertem (virushaltigem) Speichel, der mit in die Wunde gelangt oder durch infizierte Tiersekrete, aber auch durch Kratzen und Lecken ist eine Übertragung möglich. Eine Ansteckung des Menschen ist auch vor einem sichtbaren Ausbruch beim Tier möglich. Das Virus lagert sich vor allem an Nervenzellen und -bahnen an und gelangt so ins Zentrale Nervensystem (ZNS), dabei vermehrt es sich ständig. Bei einem Biß ins Gesicht kann das Virus sehr schnell ins Gehirn gelangen, da für die Zeitspanne zwischen Infektion und Ausbruch der Tollwut die Entfernung vom ZNS wichtig ist, d.h. bei einem Biß ins Hinterbein dauert es länger, als bei einem Biß ins Gesicht.

Als erstes klinisches Zeichen ist nach ca. drei Wochen bis drei Monaten eine Rötung um die Bißstelle sichtbar. Allgemeine und spezifische Beschwerden treten auf, wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber. Gefolgt von Unruhe, Muskelspasmen und Krämpfen bis zum Herzstillstand. Und da das Großhirn nicht infiziert wird, erfolgen die Krämpfe bei vollem Bewußtsein! Kurz vor dem Tod ist die Angst, Wasser zu trinken (Hydrophobie), aber auch Angst vor Licht erkennbar. Die klinische Phase dauert beim Menschen 2-6 Tage. Jede Tollwutinfektion in dieser Phase ist tödlich!

Es werden bei der Tollwut drei Phasen unterschieden. Als erste Phase gilt das Prodomalstadium, in dem meist übersehbare Änderungen des Verhaltens auftreten. Wildtiere zeigen keine Scheu vor Menschen mehr oder Tiere verkriechen sich. In dieser Phase können schon Überproduktion von Speichel und Schluckbeschwerden auftreten. Diese Phase dauert wenige Stunden bis zu vier Tagen. Die zweite Phase ist die Exzitationsphase. Hier treten die "typischen" Tollwutsymptome wie Aggressivität mit Beißsucht ohne erkennbare Ursache, Übererregung, Unruhe ("Rasende Wut") auf. Kann bis zu vier Tagen dauern. Die letzte Phase ist das Paralysestadium. Dies ist durch Lähmungen gekennzeichnet. Kehlkopflähmungen lassen die Stimme heiser erscheinen und das Gesicht bekommt einen "verschlagenen" Ausdruck.. Tod tritt nach 3-4 Tagen ein.  
Beim Hund kann aber auch die "stille" Wut vorkommen, bei der das Erregungsstadium fehlt und nur Lähmungserscheinungen sichtbar sind. Diese Erscheinungen können auch durch andere Ursachen bedingt sein, es muß nicht immer Tollwut sein.
Um einer möglichen Infektion zu entgehen, sollte man Kontakt mit toten Tieren oder verdächtigen Tieren meiden. Nach einem Biß sollte man selber einen Arzt aufsuchen und Wunde reinigen lassen, wenn möglich das beißende Tier einfangen oder töten. Es darf bei Verdacht auf Tollwut für zwölf Monate kein Blut gespendet werden (!). Bei Verdacht auf Tollwut ist beim Menschen eine Impfung nach dem Biß noch möglich und auch notwendig. Bei Personen mit hohem Risiko, wie Tierärzten, Jägern, Laborpersonal wird eine Impfung empfohlen.
Beim Tier ist jeder Heilversuch verboten! Verdächtige Tiere müssen eingeschläfert werden!
Deshalb, impfen sie Ihren Hund jährlich gegen die Tollwut, auch den alten Hund, bei dem gerne die Impfung als unnötig erachtet wird (Man hat ja schon in der Jugend geimpft). Dies ist allerdings Quatsch, da auch der alte Hund an Tollwut erkranken kann, wenn kein Impfschutz mehr besteht.

Vorbeugend kann aber Folgendes beachtet werden:
- Lassen Sie ihren Hund impfen jedes Jahr.
- Keine Wildtiere anfassen, vor allem, wenn sie ohne ersichtlichen  
  Grund zahm erscheinen.
- Bißwunden desinfizieren lassen
- Wenn Biß von einem Hund, Impfausweis des Hundes vom  
  Besitzers verlangen, bei nicht geimpftem Hund muß das Tier  
  zur Beobachtung!

Tollwut kann auch bei anderen Tierarten vorkommen:
Bei der Katze dominiert die rasende Wut, diese ist sichtbar an den gleichen Symptomen wie beim Hund. Beim Reh ist ein sicheres Anzeichen für Tollwut der Angriff auf Menschen (untypisches Verhalten), aber auch Anrennen gegen Bäume kommt vor. Lähmungserscheinungen sind häufig sichtbar. Bei Wildtieren allgemein ist eine gesteigerte Aggressivität und erhöhter Speichelfluß sichtbar, Füchse sind meist in bewohnten Gegenden auffindbar und beißwütig. Füchse werden heute mit Köder, in denen Impfstoff enthalten ist, immunisiert. Diese werden im Wald ausgelegt oder abgeworfen, die Impfbezirke sind durch Schilder für Spaziergänger gekennzeichnet.



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Toxoplasmose
Toxoplasmose-Infektion bei der Katze
Institut für Vgl. Tropenmedizin und Parasitologie  
der LMU München
Die Toxoplasmose ist eine Erkrankung, die durch einen einzelligen Parasiten namens Toxoplasma gondii hervorgerufen wird. Dieser Erreger ist sowohl beim Hund, als auch bei der Katze häufig anzutreffen. Während der Hund nur einer von zahlreichen Zwischenwirten ist, stellt die Katze unter den Haustieren den einzigen Endwirt dar. Katzen infizieren sich in der Regel durch Aufnahme von zystenhaltigem Fleisch. Als Hauptansteckungs- quelle kommt hierbei rohes Schweine-, Schaf- oder Ziegenfleisch in Betracht. Rindfleisch ist erfahrungsgemäß frei von Toxoplasma- Zysten. Freilaufende Katzen können die Infektion auch über Mäuse oder andere Schadnager erwerben. Untersuchungen haben gezeigt, daß wildlebende Nager in stadtnahen Wäldern und auf Gehöften nicht selten mit Toxoplasmose gondii befallen sind. Im Dünndarm der Katze werden die Parasiten frei und dringen in die Darmzellen ein. Von hieraus durchläuft der Erreger mehrere Entwicklungsstadien. Ab dem 3. Tag nach der Infektion bildet Toxoplasma gondii Oozysten, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Nach etwa 2 bis 4 Tagen in der Außenwelt sind diese herangereift und ab diesem Zeitpunkt erst kann sich der Mensch infizieren. Dies ist z. B. der Fall, wenn die Katzentoilette längere Zeit nicht ordentlich entleert oder gesäubert wurde. Die Katze scheidet nach einer Infektion nur ungefähr eine Woche lang Oozysten aus. Studien haben gezeigt, daß in zirka 1 % von Katzenkotproben Toxoplasma-Oozysten zu finden waren, obwohl bei über 50 % der Katzen eine Infektion mit diesem Parasiten stattgefunden hat. Demnach kann das Risiko einer Ansteckung des Menschen als relativ gering eingeschätzt werden.

Toxoplasmose und Schwangerschaft:
Sollte sich ein Katzenbesitzer mit Toxoplasmose gondii anstecken, treten in der Regel überhaupt keine Symptome auf. Die Infektion verläuft beim Menschen meist harmlos und wird nicht bemerkt. Nur ausnahmsweise kann auch eine grippeähnliche Symptomatik zum Teil mit Fieberschüben auftreten. Man kann davon ausgehen, daß über die Hälfte aller Bürger Europas bereits eine Toxoplasma-Infektion durchgemacht haben, was anhand von Antikörpern gegen den Erreger im Blut nachweisbar ist. Gesundheitliche Gefahren gehen von einer Toxoplasmose jedoch dann aus, wenn sich eine Frau während ihrer Schwangerschaft erstmalig infiziert hat, da es in diesem Fall zu erheblichen pathologischen Veränderungen des Ungeborenen kommen kann.

Ansteckungsquellen des Menschen:
Die meisten Menschen infizieren sich mit Toxoplasmose-Erregern durch den Verzehr von zystenhaltigem Fleisch; gemeint ist insbesondere rohes bzw. nicht vollständig durchgegahrtes Schweine-, Schaf- oder Ziegenfleisch. Tatar vom Ring enthält dagegen so gut wie keine Toxoplasmen. Grundsätzlich hat unter den Haustieren nur die Katze eine Bedeutung bei der Übertragung dieser Parasitose. Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster usw, können sich zwar mit Toxoplasma gondii infizieren, eine Ansteckung durch Berührung mit ihnen ist aber nicht möglich. Bei Kontakt mit Katzenkot dagegen, z. B. im Reinigen der Katzentoilette, kann es unter Umständen zu einer Schmierinfektion kommen. Da die Entwicklungsstadien auch in der Außenwelt überlebensfähig sind, kann gelegentlich auch eine Aufnahme von Oozysten bei der Gartenarbeit erfolgen. Im Boden können sie länger als ein Jahr infektiös bleiben. Bekanntermaßen vergraben Katzen ihren Kot in lockerer Erde oder im Sand. Deshalb kann manchmal auch ungewaschenes Obst und Gemüse aus dem Garten mit Toxoplasmen verunreinigt sein. Somit ist eigentlich nicht primär der Umgang mit der Katze für Schwangere als Hauptansteckungsquelle gefährlich, sondern der Kontakt zu Katzenkot.

Schutzmaßnahmen vor Toxoplasmose:
Grundsätzlich ist es nicht zwingend, Ihre Katze abzuschaffen oder sich über einen längeren Zeitraum von ihr fernzuhalten. Da die häufigsten Infektionsquellen im Genuß von rohem oder unzureichend erhitztem Fleisch besteht, sollte auf nicht genügend gegartes Fleisch verzichtet werden. Die Zysten bleiben im Fleisch unter Kühlschrankbedingungen (+5°C) drei Wochen lang lebensfähig. Beim Kochen und Braten werden alle Zysten abgetötet. Bei Gartenarbeiten oder beim Säubern der Katzentoilette können Oozysten an den Händen hängenbleiben und aufgenommen werden. Deshalb sollte die Reinigung der Katzentoilette täglich mit heißem Wasser (wenigstens 70 C) erfolgen, damit ausgeschiedene Parasitestadien gar nicht erst reifen und infektiös werden können. Empfehlenswert dabei ist die Benutzung von Haushaltshandschuhen und der Ausschluß Schwangerer von dieser Arbeit. Auch nach Gartenarbeiten sollte man sich stets gründlich die Hände waschen. Katzen dürfen nicht mit rohme Fleisch oder Schlachtabfällen von Schwein, Schaf oder Ziege gefüttert werden. Die ausschließliche Ernährung mit Dosenfutter ist bezüglich einer Toxoplasma-Infektion absolut ungefährlich. Die "Mäusefänger" unter den Katzen besitzen immer eine relativ hohe Ansteckungsrate. Durch die angesprochenen Vorsichtsmaßnahmen kann das Infektionsrisiko zwar nicht ausgeschlossen, aber immerhin drastisch reduziert werden. Übertriebene Ängstlichkeit ist nicht angebracht.
 

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Wieland Beck, LMU München, der uns dieses Informationsmaterial zur Verfügung gestellt hat.



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Hüftdysplasie
Ein Bericht von Dr. med. vet. Petra Sindern
http://www.tierarzt-neuwulmstorf.de.vu

Was ist das?
Unter Hüftgelenksdysplasie oder "HD" versteht man eine Fehlbildung eines oder beider Hüftgelenke. Ein normales Hüftgelenk ist zweiteilig und besteht aus einer sogenannten "Pfanne" am Beckenknochen und dem Kopf des Oberschenkels der von der Pfanne umschlossen wird. Für den reibungslosen Lauf des Gelenkes sorgt die Gelenksflüssigkeit, die sich in einer Schutzhülle um das gesamte Gelenk, der "Gelenkkapsel", befindet.  
Bei einer Fehlbildung, einer "Dysplasie", passen nun die Pfanne und der Kopf nicht richtig zusammen. Oft ist die Pfanne zu flach, so dass der Kopf aus der Pfanne herausrutschen und an den Gelenk-Enden scheuern kann. Manchmal ist aber auch der Kopf des Oberschenkels so missgebildet, dass er seinerseits in der eigentlich normalen Pfanne scheuert. Der Körper reagiert auf so einen "Scheuervorgang" an Knochen und Gelenkknorpel immer gleich: zunächst wird zur Reparatur weiterer Knorpel, später dann Knochen gebildet. Leider behindert dieses Reparaturgewebe, das man auch
"Arthrose" nennt, das Gelenk dann in seiner Funktion und damit in seinem normalen Lauf.  

Wie stellt man "HD" fest ?
Die Krankheitsanzeichen variieren je nach Schwere der Missbildung. Junge Hunde, deren Becken zu flache Hüftpfannen haben, fallen auch dem ungeschulten Beobachter frühzeitig durch den wackeligen, schaukelnden Gang der Hinterhand auf. Manchmal kann man sogar sehen, wie der Oberschenkelkopf sich beim Laufen aus der Pfanne ausrenkt.
Alle nicht ganz so gravierenden Missbildungen kann man nur durch eine Röntgenaufnahme entlarven. Bei einer solchen Untersuchung wird das Tier in Rückenlage verbracht und seine Beine werden nach hinten langgezogen und nach innen gedreht. Da auch ein hüftgesunder Hund sich das Langziehen nicht ohne Gegenwehr gefallen lässt, ist (fast) immer eine Kurzzeitnarkose nötig. Bestimmte Rassehundverbände (wie z.B. Labrador, Rottweiler, Boxer, Schäferhund oder Dogge) schreiben eine Röntgenuntersuchung der Hüften zwingend vor, wenn das Tier zur Zucht eingesetzt werden soll.

Bekommen nur Rassehunde "HD" ?
Leider nicht! Zwar ist der Anteil der Rassehunde an den Hüftkranken besonders hoch, aber auch Mischlingshunde, vor allem die großwüchsigen, vererben die Krankheit weiter, denn sie ist versteckt im Erbgut vieler Hunde verankert. Deshalb sollten auch Mischlinge (weibliche wie männliche!) vor einem möglichen Zuchteinsatz geröngt werden. Übrigens bekommen auch Katzen gelegentlich Probleme mit HD, allerdings lange nicht so häufig wie Hunde.  
Ein weiterer wichtiger Risikofaktor für HD ist, neben der Vererblichkeit, jede Art von Übergewicht. Gerade junge Hunde sollten IMMER möglichst schlank und leicht sein, so drückt ihr Gewicht nicht auf die wachsenden Gelenke! Außerdem sollte das Welpenfutter auf keinen Fall wahllos mit Vitaminpulvern oder -tabletten oder gar mit "Futterkalk" angereichert werden.

Warum? Für eine gesunde Knochenetwicklung ist ein genau berechnetes und einzuhaltendes Verhältnis von bestimmten Mineralien, in erster Linie Kalzium und Fosfor, elementar wichtig. Dieses wird durch eine gutgemeinte Leckerli - Vitamin - Mineraltablette oder das "Super - Sonder - Wunder - Spezial - Pulver" aus der Futtermittelhandlung aber verändert. Ein schwerer Ernährungsfehler, der unter Umständen die Gesundheit Ihres Hundes gefährdet! Falls Sie unsicher sind, ob Ihr Hundefutter richtig zusammengesetzt ist - fragen Sie doch mal diejenigen, die das Fach "Tierernährung" studiert haben, Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt!

Ist "HD" schmerzhaft ?
Wenn Knochen auf Knochen scheuert, wird die empfindliche Knochenhaut gereizt. Jeder, der mal einen Schlag vor‘s Schienbein bekommen hat, weiß, wie weh so etwas tut. Hunde mit HD erleiden diese Schmerzen als Dauerzustand. Da sie aber "härter im Nehmen" sind als wir, merkt man nur an sehr geringen Verhaltensänderungen, dass Ihr Tier Schmerzen hat.  
  Steht es langsamer auf als sonst?
Legt oder setzt es sich während des Spaziergangs öfter als früher hin?
Weicht es Ihnen aus, wenn Sie es im Hüftbereich streicheln oder bürsten wollen?
Knurrt Ihr Hund Sie vermehrt ohne für Sie ersichtlichen Grund an?
 

Dies alles können Anzeichen für Schmerz sein, das Tier sollte unbedingt untersucht werden.

Was kann man tun, wenn ein Hund "HD" hat?
Einen Hund mit HD darf man NICHT gleich einschläfern, denn es gibt fast immer wirksame Möglichkeiten, ihm zu helfen. Wichtig für die Wahl der richtigen Therapie ist der Zeitpunkt, zu dem die Krankheit diagnostiziert wurde. Bei jungen Hunden (6-16 Monate alt) mit nicht so schweren Fehlbildungen reicht oft eine Bewegungstherapie, verbunden mit einer Fütterungsumstellung und der Verabreichung bestimmter Muschelpräparate aus, um schwerere Schäden zu vermeiden oder zu vermindern (siehe hierzu auch bei Arthrosen).
Im Frühstadium der mittleren bis schweren HD gibt es, wenn noch keine Arthrosen vorliegen, eine sehr wirksame Operationsmethode. Hierbei wird ein Keil aus dem Oberschenkel herausgesägt, so dass dann der Oberschenkelkopf wieder in die Pfanne paßt. Diese "ITO" Operation (nicht verwechseln mit einer künstlichen Hüfte!) führen in Deutschland nur zwei Tierkliniken durch, die Kliniken der Universitäten beherrschen diese schon vor über 10 Jahren in USA erfundene Technik leider immer noch nicht.  
Bei älteren Hunden, an deren Hüften sich schon Arthrosen gebildet haben, ist zunächst die Schmerztherapie das Wichtigste. Die zusätzliche Gabe von Muschelpräparaten wirkt neben der Schmerzstillung auch gelenksstabilisierend.  

Bis vor einigen Jahren hat man einigen Hunden mit schwerer HD lediglich einen kleinen Muskel im Innenschenkel durchgeschnitten, um eine Schmerzstillung zu erreichen. Diese zwar billige, aber in fast allen Fällen nutzlose Operation bringt, wenn überhaupt, nur Erfolg für einige Wochen bis Monate und wird daher von verantwortungsbewussten Tierärzten strikt abgelehnt.  

Mehr Erfolg verspricht die selbe Operation in Kombination mit der sogenannten "Denervation" (s.u.), die als neue Technik (die so genannate "Pectineus - Neurektomie") gerade Erprobung findet. Nach Durchtrennung des verkrampften Muskels wird durch die Schmerzausschaltung (Nervenschnitt) ein lebenswertes Altwerden ermöglicht. Langzeitstudien über diese Methode liegen aber noch nicht vor.  

Ist die Arthrose der Hüften so schlimm, dass auch starke Schmerzmittel keine Wirkung mehr haben, braucht der Hundepatient eine neue, künstliche, Hüfte, die Hüftgeleks - Endoprothese. Sie besteht aus einer Pfanne aus Kunststoff, die in das Becken eingesetzt wird, und einem neuen Oberschenkelkopf nebst Hals aus Metall. Der alte, unbrauchbare Kopf wird abgesägt, der Oberschenkel aufgebohrt und der Metallschaft eingesetzt. Nach der Operation könnte der Hund zwar sofort wieder ohne Schmerzen laufen, die neue Hüfte muss aber erst in den Knochen einheilen. Deshalb ist ein Klinikaufenthalt mit strikter Käfigruhe von mindestens einer Woche unumgänglich. Eine Hüftimplantation ist mittlerweile Standard in vielen Tierkliniken und wird auch in allen Hochschulen mit sehr gutem Erfolg durchgeführt  

Seit Kurzem gibt es zwei weitere, neue, Therapieansätze. Der eine stammt aus der mehr ganzheitlichen, von der traditionellen chinesischen Medizin beeinflussten Tiermedizin: An den tiefen Akupunkturpunkten des betroffenen Gelenkes werden kleine Goldstückchen eingesetzt, die dann im Röntgenbild wie ein Sternenkranz aussehen. Einige Hunde laufen nach dieser "Goldakupunktur" wieder absolut schmerzfrei.

Die zweite neue Methode heisst "Denervation". Hierbei wird die arthrotische Hüftpfanne einfach mitsamt ihrer Kapsel so weit ausgefräst, dass auch alle Nerven (die ja die Schmerzempfindung ausmachen) mit zerstört werden. Auch aussen am Gelenk werden alle Nerven gekappt. Das Tier hat nach der Operation immer noch schwere Arthrosen, das Gelenk funktioniert nach wie vor nicht richtig, aber es hat keine Schmerzen mehr.

Noch ein Wort zum Schluss: Jeder Hund (männlich wie weiblich) von zweifelhafter Hüftgesundheit sollte, wegen der Vererbbarkeit der Krankheit, unbedingt an der Vermehrung gehindert werden.  

Fazit:
Hüftgelenksdysplasie wird vererbt
Sie tritt hauptsächlich bei großwüchsigen Hunderassen und deren Mischlingen auf
Die wichtigste Vorbeugung ist eine genau berechnete Ernährung, lassen Sie sich in Ihrer Tierarztpraxis beraten
Je früher sie erkannt wird, desto besser kann man gegensteuern, deshalb sollten große Hunde im Alter von einem Jahr geröngt werden.
Einen Hund mit "HD" darf man nicht einschläfern, denn es gibt wirksame Operations- und Behandlungsmethoden
 

Ein Erfahrungs-Bericht hierzu von Daniela L.:

Ginas Krankheit HD
Danni bemerkte es schon als ich noch klein war ....irgendwie "eierte" ich beim Laufen. Sie dachte, es sei vielleicht darauf zurückzuführen, dass ich als Welpe keine Bewegung hatte (davon habe ich ja schon unter "my story" berichtet).
Auch wenn man mir die Pfoten an den Hinterbeinen nach einem langen Spaziergang saubermachen wollte, jaulte ich auf, sobald Danni mein Bein anhob.

Ansonsten hatte ich aber keinerlei Schmerzen.... bis vor etwa einem Jahr.
Nach dem Toben mit anderen Hunden oder nach besonders langen Streifzügen durch Felder und Wälder lag ich plötzlich danach nur noch herum - allerdings nicht nur durch die Müdigkeit, wie es ja normalerweise ist, sondern auch durch meine Schmerzen. Danni merkte es mir an, ich schaute dann immer ganz traurig und wenn sie mich zu sich herrief, kam ich nicht oder wenn, dann nur zögernd und sehr langsam.
Eines Tages humpelte ich dann fast ständig

Wir waren dann beim Tierarzt. Der gab mir eine doofe Schlafspritze, die mich einfach umgehauen hat ;o(( Naja, jedenfalls hat er mich während meiner "geistigen Umnachtung" offenbar geröngt. Die Diagnose hat Danni erstmal sehr traurig gemacht: Schwerste HD beidseitig mit Arthrosenbildung.
HD kommt heutzutage bei vielen grösseren Hunderassen vor, der Schäferhund ist dafür aber "prädestiniert", weil man ihn bewusst mit "tiefer" Hüfte gezüchtet hat und so oftmals die Hüftgelenke nicht richtig in den Pfannen sitzen.

Ich bekam Prednisolon H5-Tabletten, welche erstmal die akute Entzündung, die ich noch zusätzlich in den Gelenken hatte, lindern sollten.
Es wurde dann auch besser, aber an meinen Schmerzen nach langer Bewegung änderte sich nichts.
Da las Danni im "Yorkies Forum" von einer HD-Behandlung namens GOLDAKUPUNKTUR. Sie informierte sich darüber und erfuhr, dass es eine sehr schonende Behandlung ist und bei 90-95% der Hunde wirkt.
Es werden Goldstückchen auf die Akupunkturpunkte in der Hüfte gesetzt, die ständig die schmerzhaften Stellen "behandeln", zudem fördert das Gold durch eine chemische Reaktion die Durchblutung des Gelenks und verhindert somit Arthrosen.
Nachdem Danni das Ganze mehrmals mit meinem "Papa" Stephan durchgesprochen hatte, entschloss sie sich, diese Goldakupunktur(kurz auch GI) bei mir vornehmen zu lassen. Sie schaute auf der Seite www.goldakupunktur.de nochmal genau nach, wie das Ganze ablaufen solle und suchte dort auch den passenden Arzt für mich heraus. Dies war Dr. Schulze aus Kamen, der bisher weltweit die meisten Hüften behandelt hat.
Am 06.04.01 also nix wie hin....
die ganze Prozedur war richtiggehend ein Klacks. Ich bekam etwas Schlafmittel, Dr. Schulze rasierte mir die GI-Stellen und plazierte mit einer dicken Nadel das Gold in meiner Hüfte.
Bald schon wurde ich wieder wach und schon war die Sache geschafft. Ich war Hüfte Nummer 1114!
Zum Behandlungserfolg:
Dr. Schulze sagte bereits, dass dies sehr unterschiedlich sei - manche Hunde (egal, wie schwer die HD und wie gross die Schmerzen vorher waren) rennen gleich danach drauf los wie junge Kitze, wiederum andere brauchen bis zu 3 Monaten, bis es anschlägt.

Gute 2 Monate sind bei uns seither vergangen.

Naja, und folgendes hat sich ereignet: Beim Spielen und Toben bin ich deutlich ausgelassener und fröhlicher als früher. Ich mache wilde Bocksprünge und lege eine wirklich wundervolle Lebensfreude an den Tag. So war ich früher nie. Manchmal benehme ich mich da wirklich noch wie ein Welpe, weil es doch so schön ist, plötzlich rennen zu können ohne Schmerzen zu haben :-))
Die Schattenseite des Ganzen ist aber, dass ich immernoch nach dem Spielen und nach dem Rennen sehr grosse Schmerzen habe. Ich liege dann wie früher immernoch auf meinem Sessel und schaue ganz traurig und verzweifelt.
Danni gibt mir dann Tabletten, damit es mir zumindest ein bisschen besser geht. Aber schlimm ist es trotzdem noch....

Den Behandlungserfolg würden wir somit als "durchwachsen" bezeichnen, dies aber trotzdem eher im positiven als im negativen Sinne.
Danni sagt, sie würde es immer wieder machen lassen. Alleine schon deshalb, weil ich dadurch wenigstens teilweise ein ganz normaler junger Hund sein kann (denn ich bin ja schliesslich erst 2 Jahre alt).

Der Tierarzt hat Danni prophezeit, dass ich nicht sehr alt werden würde. Das will sie aber gaaarnicht hören und ich sowieso nicht. Momentan geht es mir jedenfalls noch gut - trotz der Schmerzen, die ich halt ab und an habe. Und wir glauben ganz fest daran, dass das noch ein ganzes Weilchen so bleibt!
Denn zusammen sind wir stark!

Zum Erfahrungsaustausch bezüglich meiner Krankheit könnt ich euch gerne jederzeit bei Frauchen melden!



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Verletzungsgefahr:
Ein Berufsrisiko des Tierarztes
Institut für Vgl. Tropenmedizin und Parasitologie  
der LMU München
Die Untersuchung und Behandlung von Tieren ist immer auch mit der Gefahr verbunden, daß der Tierarzt dabei zu Schaden kommt. Bei der Vorstellung in der Tierarztpraxis sind die meisten Patienten verängstigt und zeigen weniger Abwehrverhalten. Die Durchführung von Hausbesuchen gestaltet sich häufig problematisch, weil sich der Veterinär hierbei quasi in das "Hoheitsgebiet" des Patienten begibt. Da er in diesem Revier nicht zum "Familienrudel" gehört, muß er mit Widerstand oder unter Umständen sogar Aggression rechnen. In der Regel ist dies schon an der Türschwelle des Haus- oder Wohnungseingangs zu bemerken, wenn z. B. Hunde lautstark bellen. Manche versuchen sogar, ein Hosenbein zu erwischen. Tatsächlich kommt es nicht selten vor, daß der Tierbesitzer im Vorgespräch der Untersuchung verschweigt, daß sich sein Liebling nicht von Dritten anfassen läßt oder schon auf die Allgemeinuntersuchung mit heftiger Gegenwehr reagiert. Für eine mögliche Verletzung des Tierarztes, die unter solchen Umständen zustandegekommen ist, haftet der Tierhalter. Zur Vermeidung von Verletzungen oder Zwischenfällen sollte das Tier entweder durch den Besitzer oder eine andere Fachkraft gut fixiert werden. Gegebenenfalls müssen kurzzeitig auch Maulkörbe aufgesetzt werden.

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. Wieland Beck, LMU München, der uns dieses Informationsmaterial zur Verfügung gestellt hat.



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Eklampsie  
(Puerperale Tetanie) bei kleinwüchsigen Hunderassen
Ein Bericht von  Wieland Beck
Institut für Vgl. Tropenmedizin und Parasitologie  
der LMU München
In Kürze

Bei der Eklampsie handelt es sich um eine peri- oder postpartale bzw. mit der Laktation in Verbindung stehende Reduzierung des Blutcalciumspiegels. Davon sind in erster Linie Hündinnen kleinwüchsiger Rassen mit großen Würfen betroffen, bei denen ein erhöhter Muskeltonus sowie tonisch-klonische Krämpfe in Erscheinung treten können. Diese akute regulatorische Stoffwechselstörung manifestiert sich in der Regel 2 bis 3 Wochen nach der Geburt.  

Das Krankheitsbild

Die aus der Humanmedizin aufgrund anfänglich vermuteter Ähnlichkeiten mit der echten Eklampsie der schwangeren Frau abgeleitete Bezeichnung trifft jedoch für das Krankheitsbild bei der Hündin nicht zu (WOLLRAB, 1993). Beim Hund werden vorwiegend tetanieähnliche Symptome ohne nennenswerte Bewußtseinstrübung beobachtet. Die Tiere zeigen eine Hypokalzämie mit Ca-Plasmakonzentrationen <1,7 mmol/l. In ihrer Studie mit 31 an Eklampsie erkrankten Hündinnen zeigten DROBATZ und CASEY (2000), daß hauptsächlich kleinwüchsige Rassen (Pudel, Pekinesen, Terrier, Teckel, etc.) betroffen sind. Sowohl bei reinrassigen Tieren als auch bei Mischlingen wird die puerperale Tetanie beobachtet. Dabei scheinen Hündinnen mit ausgeprägter Laktationsleistung, vielen kräftig säugenden, sich rasch entwickelnden Welpen besonders prädisponiert zu sein. Nach den Angaben in der Literatur entwickelt sich eine Eklampsie 2 bis 5 Wochen nach der Geburt, selten früher und nur ausnahmsweise um den Wurfzeitpunkt herum (BERCHTOLD, 1993). Im Patientengut von DROBATZ und CASEY (2000) manifestierte sich diese Stoffwechselstörung durchschnittlich 14 Tage nach dem Werfen (0 bis 42 Tage), bei einem Tier 7 Tage vor der Geburt. Entstehungsmechanismen und Pathogenese der Eklampsie sind noch nicht hinreichend geklärt. Wie WOLLRAB (1993) hervorhebt, kommt es bei der durch die vegetative Umstellung von der Trächtigkeit auf die Laktation adaptationslabilen Hündin zu einem plötzlichen funktionellen Versagen der neuroendokrinen Regulationsmechanismen. Demzufolge können der hohe Calciumverlust im letzten Trächtigkeitsdrittel und die forcierte Calciumabgabe mit der Kolostralmilch vorübergehend nicht mehr kompensiert werden. In der Folge des reduzierten Serumcalciumspiegels treten eklamptoide Anfälle auf. Das klinische Bild der puerperalen Tetanie ist zunächst durch Nervosität, Ängstlichkeit, verstörten Gesichtsausdruck, gelegentlich Hecheln, frequente Atmung und Muskelzittern charakterisiert. Wenig später stellt sich ein unsicherer Gang ein und die Extremitäten werden steif. Nach dem Einsetzen tonisch-klonischer Krämpfe, vermögen die Tiere nicht mehr alleine zu stehen. Sie fallen um und können sich nicht mehr erheben. Nacken und Gliedmaßen sind maximal gestreckt. Nicht selten werden auch Krämpfe der Kaumuskulatur, vermehrtes Speicheln sowie eine erhöhte Körpertemperatur (>41°C) beobachtet. Die Hypokalzämie kann neben den neuromuskulären Störungen u.U. auch kardiovaskuläre Begleiterscheinungen auslösen. Im EKG kann das Q-T Intervall verlängert sein. Während eines Anfalls tritt Hecheln und erhöhter Herschlag auf. Zwischen den Krampfanfällen beruhigen sich die Tiere scheinbar, wobei aber die Muskulatur spastisch kontrahiert bleibt. In verschieden langen Intervallen wiederholen sich die tonisch-klonischen Krämpfe oft stundenlang und führen zur raschen Erschöpfung. Das Bewußtsein bleibt weitgehend erhalten. Zur Wiederherstellung des physiologischen Calciumhaushaltes sind Calciuminfusionen erforderlich. Da es hierbei u.U. zu einem akuten Herz-Kreislaufversagen kommen kann ist dazu unbedingt ein Tierarzt zu konsultieren, der die notwendigen Behandlungsmaßnahmen unter EKG-Kontrolle einleitet. Auch ist zunächst das Absetzen der Welpen für mindestens 24 Stunden zu empfehlen. Dies muß jedoch individuell durch den Veterinär festgelegt werden. Manchmal kann sich die Erkrankung in nachfolgenden Laktationsperioden wiederholen. Die Tetanieanfälligkeit nimmt jedoch erfahrungsgemäß mit zunehmendem Alter bis etwa zum 6. Lebensjahr ab. Das Krankheitsbild ist bei Einfrüchtigkeit unbekannt und bei über 6jährigen Hündinnen extrem selten. Eklampsien bereits vor der Geburt sind ungünstiger einzuschätzen, da eine erhöhte Kollapsgefahr besteht. Entscheidend ist in derartigen Fällen, die Geburt zügig, ggf. durch Schnittentbindung, zu beenden (WHEELER, MAGNE und KAUFMANN, 1984; WOLLRAB, 1993). Eklampsien nach der Geburt sind bei frühzeitiger und gezielter Therapie prognostisch günstig zu beurteilen. Eine sichere Prophylaxe der puerperalen Hypokalzämie ist nicht bekannt. Zur Vorbeugung können Calciumsalze und Vitamin D3 beitragen, die ab der frühen Trächtigkeitsphase bis zum Absetzen der Welpen kontinuierlich zugefüttert werden müssen.

Literatur

ARNOLD, S. (1994): Puerperale Tetanie. In: SUTER, P.F. (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. 8. Aufl., Blackwell, Berlin, 651.
BERCHTOLD, M. (1993): Puerperale Tetanie. In: FREUDIGER, U., E.-G. GRÜNBAUM, und E. SCHIMKE (Hrsg.): Klinik der Hundekrankheiten. 2. Aufl., Fischer, Stuttgart, 659.
DROBATZ, K.J., und K.K. CASEY (2000): Eclampsia in dogs: 31 cases (1995-1998). J. of the Am. Vet. Med. Association 217: 216-219.
WHEELER, S.L., M.L. MAGNE, und J. KAUFMANN (1984): Postpartum disorders in the bitch. Compend. Contin. Educ. Pract. Vet. 6: 493-504.
WOLLRAB, J. (1993): Eklampsie (puerperale Tetanie). In: BUSCH, W., und J. SCHULZ (Hrsg.): Geburtshilfe bei Haustieren. Fischer, Jena, Stuttgart, 617-620.

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